Thurgau plant weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau will das Angebot des öffentlichen Verkehrs in den kommenden Jahren weiter verbessern. Im ÖV-Konzept 2019 – 2024 sind deshalb Massnahmen formuliert, wie dies erreicht werden soll. Der Hauptteil des Ausbaus wird bereits auf den Fahrplan 2019 realisiert. Dafür hat der Regierungsrat im Finanzplan zusätzlich 7,4 Millionen Franken bereit gestellt. Welche Pläne danach umgesetzt werden können, hängt von Entscheiden des eidgenössischen Parlaments sowie den weiteren Finanzierungsmöglichkeiten ab. Bis am 9. Dezember 2016 läuft nun die externe Vernehmlassung.

Die Bedeutung des öffentlichen Regionalverkehrs hat im Kanton Thurgau in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Das Bahn- und Busangebot wurde laufend ausgebaut, die Zahl der Passagiere stieg zwischen 2005 und 2015 um zehn Millionen oder 61 Prozent auf 26,2 Millionen. Die Entwicklung im öffentlichen Regionalverkehr ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Gestützt auf den Ausbau der vergangenen zehn Jahre hat der Regierungsrat des Kantons Thurgau nun das Konzept Öffentlicher Regionalverkehr Kanton Thurgau 2019 – 2024 (ÖV-Konzept 2019 – 2024) genehmigt und in die externe Vernehmlassung geschickt.

Ziele und Massnahmen formuliert

Das neue Konzept löst das ÖV-Konzept 2010 – 2015 ab, das bis 2018 verlängert wurde, und basiert auf den Erkenntnissen der vergangenen Jahre und auf dem revidierten kantonalen Richtplan (Entwurf für die öffentliche Bekanntmachung vom Mai 2016). Das Konzept umfasst verschiedene Ziele: Erstens soll der öffentliche Verkehr weiter ausgebaut werden, um den Kanton Thurgau als konkurrenzfähigen Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsraum zu erhalten. Zweitens soll der ÖV-Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen weiter gesteigert werden. Drittens sollen ressourcen- und klimafreundliche Mobilitätsformen gefördert werden. Schliesslich werden sämtliche Ziele mit dem Motorisierten Individualverkehr und dem vergangene Woche vorgestellten Langsamverkehrskonzept abgestimmt.

Um die Ziele zu erreichen, sieht das ÖV-Konzept drei Massnahmen vor, die ebenfalls mit dem revidierten kantonalen Richtplan einhergehen. So soll der ÖV-Anteil in den Zentren und den Agglomerationen weiter steigen, das ÖV-Angebot also ausgebaut werden. Der ländliche Raum geht dabei aber nicht vergessen, dieser wird weiterhin mit einer bedarfsgerechten Grundversorgung erschlossen. Ausserdem soll das Umsteigen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern weiter optimiert werden.

Erster Ausbau ist 2019 abgeschlossen

Die Angebotsverbesserungen der vergangenen Jahre konnten noch ohne grössere Ausbauten der Infrastruktur erfolgen. Doch die geplanten Verbesserungen für den Fahrplan 2019 erfordern Investitionen ins Thurgauer Bahnnetz von rund 300 Millionen Franken. Diese werden aus dem Bahninfrastrukturfonds (BIF) des Bundes finanziert. Mit dem Spatenstich am 9. Juni in Berg ist der Startschuss für diesen Ausbau bereits erfolgt. So werden ab 2019 die Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen besser, die Fahrpläne der S-Bahnen dichter und die Fahrzeiten der Schnellzüge leicht kürzer. Der neue Bahnfahrplan 2019 erfordert zudem umfangreiche Linien- und Fahrplananpassungen bei den regionalen Buslinien. Deren Fahrpläne sollen in den Agglomerationen verdichtet werden.

Auch für den nächsten, schweizweiten Ausbauschritt STEP 2030 hat der Kanton Thurgau verschiedene Angebotsverbesserungen angemeldet. Priorität hat für den Regierungsrat die Realisierung der schnellen S-Bahn S44 Weinfelden – Kreuzlingen – Konstanz. Diese soll den Stundentakt des Schnellzugs zum Halbstundentakt verdichten, wie dies auf der Achse Weinfelden – Romanshorn bereits per Fahrplan 2019 realisiert wird. Sofern das eidgenössische Parlament den entsprechenden Kredit für die notwendigen Bahninfrastrukturausbauten im Rahmen des nächsten Ausbauschrittes STEP 2030 bewilligt, könnte die S44 auf den Fahrplan 2023 eingeführt werden.

Die Kosten für Bund, Kanton und Gemeinden steigen

Die geplanten Angebotsverbesserungen führen auch zu höheren Abgeltungen an die Transportunternehmen. Ausserdem plant der Bund, den Anteil der Kantone in den Bahninfrastrukturfonds ab 2018 der Teuerung anzupassen. Gesamthaft steigen die Ausgaben für den öffentlichen Verkehr (Abgeltungen und Kantonsbeitrag BIF) zwischen 2016 und 2024 um 35,77 Millionen Franken, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 4,47 Millionen Franken oder 6,2 Prozent entspricht. Finanziert werden diese Mehraufwendungen durch Bund, Kanton und Gemeinden sowie aus dem LSVA-Ertrag.

Der erste Ausbauschritt auf den Fahrplan 2019 löst einen Abgeltungsmehrbedarf von 20 Millionen Franken aus. Aufgrund der geltenden Rechtsgrundlagen sind diese Kosten durch den Bund (8,9 Millionen Franken), den Kanton (7,4 Millionen Franken) und die Gemeinden (3,7 Millionen Franken) zu finanzieren. Der Regierungsrat hat den kantonalen Anteil im Finanzplan eingestellt und erwartet, dass auch der Bund die notwendigen Abgeltungsmittel bereitstellt. Die Gemeinden wurden bereits verschiedentlich über das mit den Angebotsverbesserungen verbundene Kostenwachstum informiert. Der nächste Ausbauschritt 2023 hängt dann von der Nachfrageentwicklung sowie der dannzumaligen Finanzierbarkeit ab.

Der Regierungsrat hat das ÖV-Konzept nun in eine externe Vernehmlassung geschickt. Die Frist für die Stellungnahmen endet am 9. Dezember 2016.

Angebotsverbesserungen Bahn 2019

  • Halbstundentakt auf allen S-Bahnlinien 5–24 Uhr, Montag-Freitag
  • Stundentakt RE Konstanz – Kreuzlingen Hafen – Romanshorn – St. Gallen
  • Neue schnelle S-Bahn Weinfelden – Romanshorn im Stundentakt
  • Verlängerung S12 Zürich – Stadelhofen – Winterthur bis nach Wil im Stundentakt
  • Bessere Anschlüsse in den Knoten Schaffhausen, Kreuzlingen, Romanshorn und Rorschach

Angebotsänderungen Bus 2019

Neue Linien:

  • 736 Eschlikon – Sirnach – Münchwilen – St. Margarethen

Aufgehobene Linien:

  • 907 Kreuzlingen – Tägerwilen
  • 922 Altnau – Lengwil – Ekkarthof
  • 933 Abendbus «Nollen»

Veränderte Linienführungen:

  • 829 Frauenfeld – Müllheim – Müllheim-Wigoltingen
  • 831 Müllheim-Wigoltingen – Raperswilen – Homburg – Müllheim
  • 833 Weinfelden – Märstetten – Lipperswil – Ermatingen (Erschliessung von BBZ + Schloss Arenenberg und Conny Land)
  • 836 Frauenfeld – Gachnang – Islikon / 839 Frauenfeld - Gerlikon
  • 847 Marthalen – Schlatt – Basadingen – Diessenhofen
  • 920 Kreuzlingen – Tägerwilen – Lipperswil – Wigoltingen
  • 921 Weinfelden – Hugelshofen – Kreuzlingen Hafen
  • 944 Amriswil – Hefenhofen – Sommeri – Güttingen

Vernehmlassungsunterlagen


 

Gute Reise im Thurgau

Im Kanton Thurgau geniessen der Öffentliche Verkehr und die Tourismusförderung einen hohen Stellenwert. Unsere Abteilung sorgt auf beiden Gebieten für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben – in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit zahlreichen Leistungsträgern.


 

Ziele, Aufgaben und gesetzliche Grundlagen
Die bedarfsgerechte Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Steigerung der touristischen Nachfrage sind unsere wichtigsten Ziele. mehr


Plus 10 Prozent: Das Konzept Öffentlicher Regionalverkehr Kanton Thurgau 2010–2015
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